S wie Santa Fe, N wie Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit kann manchmal sau-langweilig sein. Weniger Auswahl. Allgemeiner Verzicht. Seltener was Neues im Schrank.

Das dachte ich mir nach wenigen Jahren Nachhaltigkeitsexperiment in Sachen Kleidung. Denn, wenn man es wirklich ernst meint (und ich meinte es anfangs todernst), dann reicht es ja nicht aus, einfach nur bei grünen Marken zu shoppen, sondern man muss weniger shoppen. Und immer nach dem perfekten Puzzleteil suchen, zum perfekten, nachhaltigen Garderobenpuzzle. Was mich letztlich mit einem nahezu komplett grauen Kleiderschrank zurückließ. Eine Tristesse, die ich dann versuchte mit Vintagekäufen zu kompensieren. Es entstand ein graumeliertes-secondhand-crazy-Monstrum von Kleiderschrank. Das mich morgens Zeit kostete und zudem viel zu viele Umzugskisten füllte.

Zweiteres wurde mir dann mit Umzug No. 11 sogar schon klar (ja, es war ein langer Reifungsprozess). Erst dann habe ich mir überlegt, was eigentlich nicht so läuft wie geplant.

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Denn ich hatte ja die klassischen Blazer und Breton-Shirts, die einem Frauenmagazine so fleißig empfehlen, als Must haves, Staples, French Wardrobe, whatever.

Aber mir fehlte ganz entscheidend am Mut zu sagen: Klassische Blazer mit Revers finde ich eigentlich doof. Also an mir. An Charlotte Gainsbourg über einem lappigen Shirt gefallen sie mir ganz famos. Nur bin ich leider nicht Charlotte und als ich, mag ich irgendwas anderes.

Zum Beispiel keinen Stress am Morgen, der nur in der Outfitwahl  begründet liegt. Oder überhaupt zu viel Zeit, die ich verliere mit der Frage: Passt das zusammen? Weil, wenn ich schon früher aufstehe, dann ja wohl, um mir Bananenpfannkuchen zu backen und nicht etwa, um mich erfolgreich zu bekleiden.

Und an diesem Punkt bin ich dann auf das Konzept der Capsule Wardrobe gestoßen. Ein (aktuell geradezu populäres) Konzept, bei dem man sich je Jahreszeit eine Garderobe von 30 bis 40 Stücken zusammenstellt, die untereinander unendlich kombinierbar sind. Je nach Philosophie sind mehr oder weniger Teile erlaubt und die Zusammenstellung wird mehr oder weniger religiös verfolgt.

(Oh man, das wird schon wieder ein langer Post, ich sollte langsam zum Punkt kommen): Was hat das nun mit (nachhaltig) Nähen zu tun?  Ungefähr alles. Beim oder vielmehr vor dem Nähen, kann man schlecht ausprobieren, ob einem der Schnitt wirklich steht/zur eigenen Garderobe passt. Und nach dem Nähen gibt es kaum etwas ärgerlicheres als eine Menge Zeit investiert zu haben, um dann den fraglichen Rock, Kleid, etc. niemals zu tragen – sei es, weil das Werk nicht zu einem oder nicht zur restlichen Garderobe passt. Das führt zu Frust und im Zweifel zu einer Menge verschwendeter Ressourcen (Stoff, Zeit, Nerv). Also wenigstens auf meiner Ärgerlichkeits-Hitlist rangiert das knapp hinter Hühneraugen.

Dieses salbeigrüne Santa Fe von Hey June Handmade hingegen rangiert sogar noch deutlich vor Bananenpfannkuchen auf der Ohja-mehr-Hitliste. Und zwar aus folgenden Gründen: Es passt zu mir, es passt zu einer maximalen Menge meiner Unterteile und es passt (ungeplant) zudem noch zum Buchstaben S den Fee von fairy likes im August für die 12 Letters of Handmade Fashion gezogen hat.

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An dieser Stelle könnte ich übergehen zu Lobeshymnen zum Thema Wie die Capsule Wardrobe mir half die perfekte Garderobe zu bauen. Tu ich nicht, weil kann ich nicht. Wenigstens nicht uneingeschränkt. Denn a) irritiert mich die semi-religiöse Hingabe zur Erschaffung eines kuratierten Kleiderschranks doch etwas (Kunstausstellungen brauchen Kuratoren, Kleiderschränke brauchen bestenfalls Mottenkugeln). Und b) glaube ich aus Prinzip nicht an das Prinzip perfekt, egal bei was.

ABER, so schöne Anleitungen wie bei Colette Patterns (Wardrobe Architect), das sagenhaft erfreuliche Projekt #myspringessentials von Lena, Sindy und Elke, die Ideen von Into Mind, das Project 333 (und viele mehr), sind insofern nützlich, als dass sie einen anleiten, so verrückte Dinge rauszukriegen wie: Ich trage seit ich 13 bin mit Vorliebe den gleichen Schnitt bei Oberteilen, Salbeigrün mag eine unmögliche Farbe sein, aber sie passt zu erschreckend vielen neutralen Farben, sowie: Auch wenn ich mir definitiv nicht erhoffe den perfekten Kleiderschrank zu erschaffen, meine Nähprojekte werde ich dennoch diesen Herbst als Capsule organisieren.

Bei der Gelegenheit wird es dann mit dem nächsten Post gleich eine Auflistung der interessantesten Ansätze zum Thema Capsule geben.

Und damit geht es ziemlich nachdenklich blickend in meinem salbeigrünen Shirt Santa Fe ab zu 12 Letters of Handmade Fashion im August, Ich näh bio und RUMS.

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Wo ist dieser Stoff produziert?
Vermutlich in der Türkei von/für Lebenskleidung (Vielen lieben Dank an Nicole von Das blaue Tuch für die super-kurzfristig gelieferten Infos!)

Was ist es für ein Stoff? Welches Material wurde verwendet?
Single-Jersey aus 100% GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle

Was gibt es zum Design zu sagen?
Ein gar wundertolles Grün, aber ich hab’s gegoogelt, Salbei ist gar nicht so grün?!

Schnitt: Santa Fe

Zustand post nähen: Glücklich, der Schnitt gefällt sogar noch besser als erwartet (selbst wenn ich den Ausschnitt ungeplant gerafft habe).

 

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18 Gedanken zu “S wie Santa Fe, N wie Nachhaltigkeit

  1. Barbara schreibt:

    Liebe Sophie,
    Das ist ja ein wunderschönes Shirt, was Du da genäht hast, den Schnitt muss ich mir unbedingt genauer anschauen. Und diese Farbe ist doch genau Deine Farbe, warum denn unmöglich? ???
    Ja, die capsule wardrobe ist eine tolle Sache,vor allem zum Anschauen auf Blogs wie bei Colette. Ein halbleerer Kleiderschrank, gefüllt nur mit edlen Teilen, farblich schön sortiert….
    Aber wo bleibt denn da der Spaß beim Anziehen? Und 30 Teile sind nicht viel, es gibt dann sicher auch Tage, an denen keines der Teile passt. Mir ist das zu dogmatisch. Natürlich sollen die Sachen zusammen passen, aber das ergibt sich doch auch aus den Lieblingsfarben. Mein Stofflager ist jedenfalls nach diesem Urlaub um zwei Stoffe reicher, einer in grau, einer dunkelblau, das wird schon zu irgendwas aus dem Bestand passen
    LG
    Barbara

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    • Sophie schreibt:

      Liebsten Dank :)!
      Die Capsule-Idee kann einem sicherlich helfen ein bisschen System in die Näherei zu bringen. Ich mag zum Beispiel viiiiiiiiiiiiiiele Farben, da kommt es schon mal vor, dass Top A nicht zu Hose B passen mag.
      Aber gegen diese Tage, an denen einfach NICHTS passen will, hilft auch die beste Capsule nicht und darüber hinaus bringen mich 30 Teile leider an die Grenze meiner Waschroutine ;)…

      PS: Blau und Grau passen immer, ich freu mich schon auf deine Umsetzungen!

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  2. Paola schreibt:

    Arg cool. Ich habe gehört, Salbei liegt gerade voll im Trend (wir renovieren gerade ;-))
    Die Kette zum Shirt mag ich auch gern.

    Ich hätte auch gern mehr Muße für die capsuale-wardrobe…irgendwann mal…

    Liebste Grüße
    Paola

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    • Sophie schreibt:

      Uh yeah, dann seh mich bitte als Trendsetter 😉 – liebsten Dank auf jeden Fall für den lieben Kommentar.
      Ich werde berichten, ob ich dieses Capsule-Nähding auch nur halbwegs zustande bringen werde …

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  3. naehzimmerplaudereien schreibt:

    Liebe Sophie,
    das Shirt gefällt mir (ist vorne weit!). Und das Salbeigrün steht Dir (sieht zumindest auf den Bildern so aus) und passt wunderbar zur Hose.

    Die Capsule-Wardrobe kann ich bei mir nicht so richtig umsetzen. Mein Alltag ist einfach Alltag mit Kleidungsstücken, die zusammenpassen müssen, also meist ein Teil uni, das andere auch uni oder leicht gemustert. Da ich nicht im Büro arbeite, muss meine Kleidung auch nicht schick sein, sondern alltags-/kinder-/outdoor/-einkaufstauglich. Was ich morgens anziehe, sollte für alle Anforderungen des Tages passen. Und da nähe ich dann meist das, was ersetzt werden muss oder ich auch einfach Lust habe zum Ausprobieren. Aber das meiste sind schon Basics.

    Und dann brauche ich manchmal was ganz anderes, bspw. für Feste. Da nähe ich mir dann gerne etwas besonderes. Und das steht dann einfach für sich allein und muss zu nichts anderem passen (außer zu vorhandenen Schuhen).

    Ich bin gespannt, wie es mit deinem Kleiderschrank weitergeht.

    Liebe Grüße
    Ines

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    • Sophie schreibt:

      Liebe Ines, vielen lieben Dank für deinen Kommentar – ich befürchte deine Herangehensweise ist noch nachhaltiger als jede Capsule Wardrobe! Damit gibt es ja quasi wirklich nur das, was du wirklich brauchst und was zu deinem Leben passt!

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  4. Kirstin schreibt:

    Liebe Sophie, nachdem ich im Sommer viel Zeit damit verbracht habe, meinen Kleiderschrank auszusortieren, ist dieser nun irgendwie leer. Erschreckend leer. Irgendwie aber auch befreiend leer.
    Ich habe jetzt tatsächlich einen Grund, das Thema Garderobe strategisch und planvoll anzugehen. Nur der erste Schritt fällt mir schwer. Capsule Wardrobe finde ich für mich interessant. Bin gespannt auf deinen Bericht.
    LG, Kirstin
    (Tolles Shirt natürlich, weil am Bauch umspielend und GRÜN :-). Absolute Lieblingsfarbe!!!)

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  5. Sindy schreibt:

    Liebe Sophie,

    selten habe ich einen Blogeintrag mit so viel Freude gelesen. Du schreibst so wundervoll unterhaltsam und triffst gleichzeitig so oft den Nagel auf den Kopf. Du Künstlerin 🙂

    Auch ich habe mich dem perfekt kombinierbaren Kleiderschrank angenähert. Auch ich glaube aus Prinzip nicht an das Prinzip perfekt (wunderbar ausgedrückt!!). Und auch ich habe festgestellt, dass so eine Annäherung an die Capsule Wardrobe durchaus sein Gutes hat, es aber noch genügend Freiheit für ein bisschen Durcheinander braucht.

    Trotzdem ist es ein verdammt gutes Gefühl, wenn man schon vor dem Nähen weiß, dass einem das zu nähende Kleidungsstück mit großer Wahrscheinlichkeit passen und stehen wird. Plötzlich kauft man ganz automatisch weniger Stoffe, weil die passenden Farben doch eher rar gesät sind. Ein positiver Nebeneffekt, denn der Kleiderschrank kann damit gar nicht explodieren 🙂

    Da fällt mir auf, ich könnte man wieder berichten, was aus unserer Aktion (danke fürs Verlinken!) hängengeblieben ist und wie es weitergehen wird.

    Herzliche Grüße, ich schaue nun regelmäßig bei Dir vorbei, Sindy

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    • Sophie schreibt:

      Oh wow, vielen Dank für das positive Feedback, das freut mich total!

      Und mich würde übrigens absolut sehr interessieren, wie sich die spring und fall essentials so entwickelt haben und wie gut du damit zurecht kamst – da freu ich mich gleich noch totaler auf den nächsten Blogbeitrag darüber…

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    • Christine schreibt:

      Liebe Sindy,
      Eure Reihe hat mich damals erst auf das Thema Capsule Wardrobe gestoßen und sehr motiviert, mich mit meinem Kleiderschrank und auch mit den Leichen darin zu beschäftigen. Ich würde mich sehr freuen zu lesen, wie es damit weiter gegangen ist.

      Liebe Sophie,
      danke, dass Du das aufgreifst! Ich bin gespannt auf den nächten Beitrag.

      Letzten Herbst habe ich ziemlich konsequent ausgemistet, nur wenig neu gekauft und sehr sorgfältig ausgewählte Schnitte und Stoffe vernäht. Das hat überraschend gut geklappt, sowohl für den Job als auch für die Freizeit. Ich kaufe seit einiger Zeit im Stoffladen nur noch mit Farbfächer ein. Das hilft mir sehr dabei, die passenden Farben zu finden. Aber wie Ihr schon geschreiben habt: die Mischung aus annähernd perfekt und ein bisschen Durcheinander macht’s, schließlich soll der Kleiderschrank ja zur eigenen Persönlichkeit passen 😉

      Schöne Grüße
      Christine

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      • Sophie schreibt:

        Liebe Christine –
        vielen Dank für deinen Kommentar! Da würde mich glatt interessieren, was du für einen Farbfächer hast und ob du dich schon mal an einer Farbberatung versucht hast?

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      • Christine schreibt:

        Liebe Sophie,
        ich habe tatsächlich vor laanger Zeit, ich schätze so mit 18, mal eine Farbberatung geschenkt bekommen. Seitdem weiß ich, dass ich ein Sommertyp bin. Das ist zwar jetzt schon ein halbes Leben her, müsste aber noch stimmen 😉 Da der Fächer, den ich damals erhalten hatte, zwischenzeitlich abhanden gekommen war, habe ich mir letztes Jahr einen neuen bei Komood bestellt (bin ich durch Elke Puls‘ Beiträge drauf gestoßen). Ich habe den Neo XL, der ist schön handlich mit vielen Farben. Wirklich praktisch beim Shoppen, weil so dann doch nicht das „falsche“ Grün im Korb landet.
        Allerdings muss ich auch sagen, dass ich ihn als Ratgeber und nicht als Gesetzbuch nutze.
        Schöne Grüße
        Christine

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  6. Julia schreibt:

    Liebe Sophie,
    dein Post ist echt toll! Ich kann dem fast eins zu eins zustimmen! Auch ich beschäftige mich gerade mit der Frage was kann/soll/muss in meinen Schrank?! Wie lange halten gekaufte Klamotten, was kann ich da beim Nähen besser machen, was lässt sich gut kombinieren. Das sind so meine Hauptthemen. Und das Thema Nachhaltigkeit in der Garderobe finde ich echt wichtig, allerdings für mich noch oft schwer umzusetzen… Ich bleibe dran und schaue jetzt sicher öfter hier vorbei! 😉
    Dein salbeigrünes Shirt steht dir echt gut und die Farbe gefällt mir sehr gut!
    Liebe Grüße Julia

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  7. Frau Du schreibt:

    Ein tolles Oberteil und diese Farbe gefällt mir total! Eine Capsule Wardrobe finde ich auch reizvoll, allerdings fehlt mir dazu die Lust, so systematisch ranzugehen. Was ich (mittlerweile) hinbekomme, ist, Dinge zu nähen, die ich zu vorhandenen Stücken kombinieren kann. Wer weiß, vielleicht überkommt es einen irgendwann ^^
    Liebe Grüße
    Caroline

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